Hier zunächst die Materialien, die ich für die Unterrichtseinheit erstellt habe. Es folgen dann einige Hinweise, wie sie im Unterricht eingesetzt werden können.
Materialien
- Attach:Kompetenzraster.pdf Δ
- Attach:Materialliste.pdf Δ
- Attach:Infotext.pdf Δ
- Attach:Planungshilfe.pdf Δ
Überlegungen zur Unterrichtseinheit
Überblick
Ich habe die Unterrichtseinheit „Kommunikation“ so geplant, dass die SchülerInnen weitgehend selbstgesteuert arbeiten und lernen. Als Unterstützung stehen ihnen ein Kompetenzraster, eine Planungshilfe und natürlich vielfältige Lernmaterialien aus unterschiedlichen Quellen, die nur teilweise didaktisch aufbereitet sind, zur Verfügung. Zur Dokumentation ihrer Arbeit fertigen die SchülerInnen „Grafizen“ zu den von ihnen bearbeiteten Kompetenzfeldern an, die am Ende der Einheit in ihrer Gesamtheit bewertet werden.
Ich habe zwölf Doppelstunden für diese Unterrichtseinheit vorgesehen. In der ersten Doppelstunde wird den SchülerInnen das Arbeitsprinzip ausführlich erklärt und sie können sich mit den Materialien vertraut machen. Es folgen zehn Doppelstunden, die von den SchülerInnen in zwei Abschnitten à fünf Doppelstunden zu planen sind. Zum Abschluss wird die Arbeit mit den SchülerInnen noch einmal reflektiert.
Didaktische Überlegungen
Im Themenbereich „Kommunikation“ geht es inhaltlich um technisch vermittelte Kommunikation. Dabei werden Anwendung und Funktionsweise von Kommunikationswerkzeugen genauso betrachtet wie Historie und gesellschaftliche Folgen der Technikentwicklung. Der wesentliche Beitrag zur Allgemeinbildung ist, die SchülerInnen zu befähigen, zielgerichtet und verantwortungsbewusst (moderne) Kommunikationswerkzeuge zu benutzen. Dazu benötigen sie Wissen in unterschiedlichen Feldern:
- Handhabungskompetenz in Bezug auf moderne Kommunikationswerkzeuge, etwa Email, Chat, Telefon, Tauschbörsen etc. Besonderer Bedeutung kommt hier der Nutzung des WWW im Allgemeinen und von Suchmaschinen im Speziellen zu.
- Kenntnisse über Formalisierung in Informatiksystemen, insbesondere die Unterscheidung zwischen Daten und Information, das Sender-Empfänger-Modell und Kommunikationsprotokolle.
- Überblick über gesellschaftliche Wirkungen von Kommunikationstechnik und die rechtlichen Rahmenbedingungen (Datenschutz, Urheberrecht).
- Kenntnisse über die historische Entwicklung von Kommunikationswerkzeugen, etwa Telegrafie, Telefonie und Internet, auch im Vergleich miteinander.
Die Felder können dabei natürlich nicht getrennt betrachtet werden, sondern interagieren auf vielfältige Weise. So sind beispielsweise die rechtlichen Rahmenbedingungen gerade die Folge historischer Entwicklungen und befürchteter oder realer Technikwirkungen. Die historischen Entwicklungen wiederum sind maßgeblich durch das technisch Machbare determiniert worden. Der Themenbereich „Kommunikation“ ist also äußerst vielfältig und komplex. Zudem unterliegen moderne, internetbasierte Kommunikationswerkzeuge sowohl technisch als auch in ihren Nutzungsweisen einer raschen Entwicklung.
Ein klar umrissener inhaltlicher Kanon kann daher meiner Meinung nach kaum angeboten werden. Darin sehe ich aber kein Problem, sondern die Chance für individuelle Schwerpunktsetzung durch die SchülerInnen. Auch eine bestimmte Reihung der Inhalte ist nicht zwingend. Es bietet sich also an, von den Lerninteressen der SchülerInnen aus dieses Themenfeld zu erkunden.
Dabei vertraue ich darauf, dass sich die Befähigung zur zielgerichteten und verantwortungsbewussten Nutzung von Kommunikationswerkzeugen quasi „en passant“ einstellt, wenn die SchülerInnen einmal beginnen, ihre alltäglichen Handlungen – denn sie nutzen die meisten Werkzeuge ja bereits – zu hinterfragen.
Methodische Überlegungen
Das Thema „Kommunikation“ bietet sich in besonderer Weise für ein selbstgesteuertes, von den individuellen Interessen ausgehendes Lernen an. Dieses muss natürlich auf geeignete Art und Weise unterstützt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eigenverantwortliches Lernen für die SchülerInnen heute leider eher die Ausnahme ist.
Auf die Arbeit mit Kompetenzrastern bin ich durch eine Hospitation bei Sabine Schiller an der Gesamtschule Blankenese aufmerksam geworden. Diese Hospitation fiel gerade in die Zeit, in der ich die Unterrichtseinheit über Kommunikation vorbereitet habe und die Eignung der Kompetenzraster für diese Einheit war für mich offensichtlich.
Die Idee der Kompetenzraster ist, den SchülerInnen transparent zu machen, was von ihnen erwartet wird. Sie sind insofern eine schülerInnengerechte Form der Rahmenpläne bzw. der zukünftigen Bildungsstandards, die ja in ähnlicher Art und Weise angestrebte Ergebnisse und nicht Inhalte von Unterricht vorgeben werden – auch wenn diese Unterscheidung in der Praxis ein wenig artifiziell wirkt. Ich habe für diese Einheit ein Kompetenzraster mit 16 Feldern erarbeitet, davon fünf besonders anspruchsvolle.
Den SchülerInnen bleibt es überlassen, wie sie die Kompetenzen erwerben – teilweise bringen sie bestimmte Kompetenzen auch schon mit. Meine Aufgabe als Lehrer ist es, sie beim Lernen zu unterstützen. Die Methode ist also eine Möglichkeit, das Leitbild von Lehrenden als LernbegleiterInnen – das seit Jahrzehnten postuliert aber kaum realisiert wurde – umzusetzen. Als primäre Unterstützung habe ich Material aus Fachbüchern, Zeitschriften und Internet-Publikationen zusammengestellt und den Kompetenzfeldern zugeordnet. Es steht den SchülerInnen frei, weiteres Material zu verwenden. Bei Fragen können sich die SchülerInnen an mich wenden. Der Impuls muss dabei aber von ihnen ausgehen, ich biete meine Hilfe also nicht ungefragt an, sondern interveniere nur dann, wenn die SchülerInnen erkennbar über einen längeren Zeitraum nicht arbeiten.
Nicht nur die Reihenfolge und Auswahl der bearbeiteten Kompetenzefelder, sondern auch die Sozialform bleibt den SchülerInnen überlassen. Es ist also nicht zwingend Einzelarbeit vorgesehen, sondern ich begrüße es sogar, wenn sie in wechselnden Paaren oder Gruppen zusammen arbeiten. Die Dokumentation ist dabei aber generell individuell anzufertigen. Es scheint mir sinnvoll, die inhaltliche Freiheit nicht durch organisatorischen Zwang zu konterkarieren.
Um die SchülerInnen zu planvollem Vorgehen anzuleiten, habe ich eine Planungshilfe verteilt, in der sie jeweils fünf Doppelstunden im Voraus planen sollen. Am Ende jeder Stunde und der Planungsperiode ist zudem eine kurze Reflexion des Arbeitsprozesses vorgegeben. Diese Planungshilfe ist zu umfangreich für die wenige Arbeitszeit, aber sie erfüllt den Zweck, vorausschauende Planung zu einem manifesten Bestandteil des Arbeitsprozesses zu machen.
Die Dokumentation des Arbeitsprozesses erfolgt in sog. Grafizen. Eine Grafiz (von „grafischer Notiz“) umfasst eine DIN A4-Seite, auf der wichtige Erkenntnisse in einem kurzen Fließtext, wenigen Stichworten und einer Visualisierung festgehalten werden. Durch den Zwang, das Gelernte in drei unterschiedliche Ausdrucksformen zu transformieren wird – so die Hoffnung – ein intensiverer Lernprozess befördert. Einem rein oberflächlichen „Kopieren“ von Textabschnitten oder Bildern in die Dokumentation wird so entgegen gewirkt. Die Grafizen sind von den SchülerInnen in einem Hefter zu sammeln.
Dieser Hefter bildet als „andere schriftliche Arbeit“ zusammen mit der Beobachtung während des Unterrichts die Grundlage meiner Bewertung. Den SchülerInnen habe ich als Mindestanforderung (Note 4) genannt, dass sie acht Kompetenzfelder sinnvoll bearbeiten. Als sehr gute Leistung würde ich es ansehen, wenn sie zehn, davon zwei besonders anpruchsvolle Felder bearbeiten, wobei die Qualität der Arbeit selbstverständlich auch in die Bewertung eingeht. Die SchülerInnen haben also die echte Freiheit, Themen, die sie weniger interessant finden, auszulassen.
Zusätzlich sind die SchülerInnen aufgefordert, eine besonders gelungene Arbeit (Grafiz) in einem Ultrakurzreferat (ca. drei Minuten) der Kritik durch ihre MitschülerInnen auszusetzen. Das können sie in Absprache mit mir zu Beginn jeder Stunde machen. Damit verfolge ich den Zweck, den SchülerInnen ein zusätzliches Erfolgserlebnis zu ermöglichen, denn sie werden eher gute Arbeiten präsentieren. Gleichzeitig mache ich damit deutlich, dass individuelle Lerninteressen in der Gemeinschaft legitimiert werden müssen.
